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Ratgeber

Ricotta aus Molke selber machen

Nach jedem Käse bleibt ein Topf voller Molke zurück. Viel zu schade für den Ausguss: Mit Hitze und einem Schuss Essig holst du daraus zarte, cremige Ricotta. Hier erfährst du, wie das geht und wie du die Ausbeute erhöhst.

Aktualisiert am 5 Min. LesezeitVom Team Natural Probio
Kurz gesagt

Erhitze die frische Molke von deinem Käse auf 85 bis 90 °C, ohne sie kochen zu lassen. Gib pro Liter einen Esslöffel Essig oder Zitronensaft dazu und warte etwa zehn Minuten: An der Oberfläche sammeln sich weiße Flocken. Schöpf sie mit der Schaumkelle ab, lass sie in einem mit Tuch ausgelegten Sieb abtropfen, und fertig ist die Ricotta. Die Ausbeute ist klein, mit etwas Vollmilch in der Molke wird sie deutlich größer.

85 bis 90 °Cnicht kochen
1 EL Essigpro Liter Molke
10 minruhen lassen
kein Labnötig

Was Ricotta eigentlich ist

Wenn du Käse machst, hält das Lab den Großteil des Milcheiweißes in der Dickete fest. Aber nicht alles. Ein Teil, die sogenannten Molkenproteine, reagiert nicht auf Lab und bleibt in der Flüssigkeit. Mit Hitze und ein wenig Säure finden diese Eiweiße zusammen und steigen als weiße Flocken an die Oberfläche. Das ist Ricotta.

Deshalb braucht echte Ricotta kein Lab. Sie entsteht aus dem, was der Käse übrig lässt. Der Name kommt aus dem Italienischen und bedeutet „nochmals gekocht“. Im Alpenraum kennt man dasselbe Prinzip seit Jahrhunderten unter dem Namen Ziger, ein Molkenkäse, der in den Sennereien aus der Molke vom Bergkäse entsteht.

Was du brauchst

  • Die Molke von deinem Käse, möglichst frisch.
  • Einen Esslöffel Essig oder Zitronensaft pro Liter Molke. Weißweinessig oder Apfelessig funktionieren gut.
  • Optional: ein Glas Vollmilch pro Liter Molke für mehr Ausbeute.
  • Eine Prise Salz.
  • Topf, Thermometer, Schaumkelle und ein Sieb, ausgelegt mit einem feinen Mulltuch.

Die Molke kann von jedem Käse stammen, der mit flüssigem Kälberlab gemacht wurde: Frischkäse, Weichkäse oder Schnittkäse. Am besten eignet sich die Molke von einem Frischkäse, weil sie beim Käsemachen weniger erhitzt wurde und mehr Eiweiß enthält.

Schritt für Schritt

1. Molke erhitzen

Gieß die Molke in den Topf und erhitze sie bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren auf 85 bis 90 °C. Sie darf nicht kochen.

2. Milch dazugeben

Wenn du mehr Ricotta möchtest, gibst du die Milch dazu, sobald die Molke etwa 60 °C erreicht hat, und erhitzt dann weiter.

3. Säuern

Ist die Temperatur erreicht, schaltest du den Herd aus, gibst Essig oder Zitronensaft dazu und rührst ein einziges Mal, ganz sanft.

4. Warten

Lass den Topf etwa zehn Minuten stehen. Die weißen Flocken steigen auf und sammeln sich an der Oberfläche.

5. Abschöpfen und abtropfen

Heb die Flocken mit der Schaumkelle vorsichtig ins Sieb mit Tuch. Lass sie je nach gewünschter Konsistenz eine halbe Stunde bis zwei Stunden abtropfen.

Tipp: Nach dem Essig nicht mehr rühren. Die Flocken sind sehr zart, und wenn du sie zerschlägst, werden sie so klein, dass sie durchs Tuch schlüpfen.

Wie viel Ricotta du bekommst

Ehrlich gesagt: nicht viel. Aus der Molke von 5 Litern Milch wird ein kleines Schälchen. Deshalb lohnt sich Ricotta vor allem, wenn du größere Käse machst, etwa einen Schnittkäse aus 10 Litern, oder wenn du Milch zur Molke gibst.

Mit einem Glas Vollmilch pro Liter Molke steigt die Ausbeute deutlich, und die Ricotta wird cremiger und etwas reichhaltiger. In vielen Familien wird sie seit jeher genau so gemacht, ganz ohne lange darüber nachzudenken.

Die Konsistenz nach deinem Geschmack

AbtropfzeitKonsistenzPasst zu
Etwa 30 MinutenSehr cremig, streichfähigBrot, Dips, mit einem Löffel Obers glatt gerührt
Etwa 1 StundeLocker und saftigKuchen, Füllungen, Palatschinken
Etwa 2 StundenFest, schnittfähigSalat, Pasta, zum Anbraten

Das Salz gibst du erst am Ende über die abgetropfte Ricotta. So kannst du die Menge besser steuern, und für Süßes lässt du es einfach weg.

So verwendest du sie

Noch lauwarm, mit einem Faden Honig und ein paar Walnüssen, ist frische Ricotta eine kleine Belohnung für einen Nachmittag in der Käseküche. Aber sie kann viel mehr:

  • Auf geröstetem Bauernbrot mit Paradeisern, Olivenöl und Basilikum.
  • In Palatschinken oder Kaiserschmarrn, für einen besonders lockeren Teig.
  • Als Teil der Topfenfülle in der Topfentorte am Sonntag.
  • Mit Spinat als Füllung für Cannelloni oder Ravioli.
  • Mit Marmelade, frischen Beeren oder Kompott als Nachtisch.
  • Mit frischen Kräutern, Knoblauch und Pfeffer als Dip zum Grillabend.

Wenn es nicht klappt

ProblemUrsacheLösung
Keine oder kaum FlockenZu kalt oder zu wenig SäureAuf 85 bis 90 °C bringen, noch einen Esslöffel Essig
Flocken rutschen durchs TuchNach dem Säuern zu viel gerührtNur einmal sanft rühren, feineres Tuch nehmen
Ricotta schmeckt deutlich nach EssigZu viel SäureBeim nächsten Mal sparsamer, kurz mit kaltem Wasser abspülen
Ricotta ist trocken und krümeligZu heiß oder zu lange abgetropftNicht kochen lassen, früher aus dem Tuch nehmen
Am Topfboden setzt etwas anHitze zu hochMittlere Hitze, ab und zu am Boden entlang rühren

Die meisten dieser Punkte lösen sich mit einem Thermometer von selbst. Wer die Temperatur im Blick hat, bekommt fast immer schöne, große Flocken.

Aufbewahren

Ricotta ist sehr empfindlich. Bewahr sie in einer geschlossenen Dose im Kühlschrank auf und iss sie innerhalb von zwei, drei Tagen. Riecht sie säuerlich oder verändert sie die Farbe, isst du sie nicht mehr.

Und die Molke danach?

Auch nach der Ricotta bleibt Molke übrig, jetzt klarer und dünner. Wegschütten musst du sie trotzdem nicht. Sie eignet sich zum Kochen von Nudeln oder Reis, als Teil der Flüssigkeit im Brotteig oder verdünnt mit Wasser zum Gießen der Pflanzen. Wer gern alles verwertet, findet auf der Seite Käse selber machen den ganzen Weg vom Frischkäse bis zum gereiften Laib.

Häufige Fragen

Kann ich Ricotta aus mehrere Tage alter Molke machen?
Besser nicht. Molke säuert schnell nach, und die Eiweiße verbinden sich dann kaum noch zu Flocken. Verarbeite sie am selben Tag oder bewahr sie höchstens bis zum nächsten Tag im Kühlschrank auf.
Sind Ricotta und Ziger dasselbe?
Im Prinzip ja. Beide entstehen, indem Molke erhitzt und das ausflockende Eiweiß abgeschöpft wird. Ziger ist der Name dafür im Alpenraum, Ricotta der italienische.
Warum bilden sich keine Flocken?
Meist fehlt Temperatur oder Säure. Prüf, ob die Molke wirklich 85 °C erreicht, und gib noch einen Esslöffel Essig dazu. Stammt die Molke von einem stark nachgewärmten Schnittkäse, enthält sie weniger Eiweiß: Dann hilft Milch.
Kann ich Ricotta direkt aus Milch machen?
Aus Milch mit Zitrone entsteht ein Käse in der Art von Paneer, der anders schmeckt und eine andere Struktur hat. Echte Ricotta kommt aus der Molke deines Käses.
Geht das auch mit der Molke vom Kefir oder Joghurt?
Kaum. Die saure Molke, die beim Abtropfen von Kefir oder Joghurt entsteht, etwa beim Labneh aus Kefir, enthält nur sehr wenig Eiweiß. Es bilden sich fast keine Flocken. Diese Molke verwendest du besser im Brotteig, in Palatschinken oder in einem Smoothie.

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